Stärken des Wir-Gefühls

von Klaus Gras

Der Tennisclub Kehl blickt mit Stolz in diesem Jahr auf 100 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Mit einer vierteiligen Serie würdigt die Kehler Zeitung den runden Geburtstag. In der letzten Serie erfolgt eine Zusammenfassung der Tennisszene von einst bis heute.

Die Gesellschaft von 1921 hatte nach dem schrecklichen 1. Weltkrieg gerade drei Jahre hinter sich gebracht. Es galt das Land zu ordnen, die Toten zu beklagen und die Verletzten zu versorgen. In dieser Zeit den Blick über den Alltags-Tellerrand schweifen zu lassen, bedurfte einer besonderen Fähigkeit. Es war Amtsrichter Freiherr Hans von Frankenberg, der diese Fähigkeit besaß. Ihm ist zu verdanken, dass erste Gespräche zur Gründung eines Tennis Clubs geführt wurden. Es war Stadtbaumeister Fritz Schäfer der die zündende Idee hatte, ein Grundstück hinterm Rheindamm in der Nähe des Bahnhofes zur Verfügung zu stellen. In der Serie drei wurde Fritz Schäfer bereits gewürdigt. Der Gemeinderat stimmte zu und bei der Gründungsversammlung im Gasthauses Badischer Hof, neben der Stadtapotheke wurde der Tennisclub Kehl e.V. aus der Taufe gehoben.

Das Gasthaus wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Von der Platzanlage des TC Kehl am Rhein war der Blick frei zur Eisenbahnbrücke. An der gleichen Stelle steht seit 2010 eine zweispurige Eisenbahnbrücke, nachdem die Vorgängerbrücke im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Gespielt wurde in weißer Kleidung. Die Männer trugen lange weiße Hosen und ein langärmliges weißes Hemd, selbstverständlich weiße Schuhe. Die Frauen trugen lange Röcke, Bluse und Schuhe, ebenfalls weiß. Der Verein war von Anfang an aktiv und freute sich über einen stetigen Mitgliederzuwachs. Es war eine Parallelgesellschaft.

Im TC Kehl herrschte reger Spielbetrieb bis 1939. Das Alltagsleben der Bevölkerung war mühsam und hart, da seit 1919 bis 1930 Kehl französisch besetzt war. Unmittelbar vor dem 2. Weltkrieg wurde der Spielbetrieb eingestellt und stand 13 Jahre lang still.


Obwohl die letzte Teilfreigabe von Kehl erst im April 1953 war, wurde bereits im Herbst 1952 der Tennisclub Kehl wiedergegründet. Mit dieser erneuten Gründung ist der Name Bäckermeister Emil Schertel ganz wichtig. Bis heute ist der Name Schertel und der TC Kehl in einem Atemzug zu nennen. Sowohl Sohn Hansjörg, als auch Enkelin Kirsten und Enkel Philipp sind aktive Tennisspieler. Unter Präsident Hermann Wunsch wuchs die Mitgliederzahl auf weit über 600 an, davon waren über 200 Jugendliche. Die Vorbilder mit Steffi Graf, Boris Becker und Michael Stich bescherten dem Kehler TC volle Kassen.

Es gab auch eine Zeit danach. Heute zählt der Verein über 400 Mitglieder und rund 200 Jugendliche. Die Tennisanlage umfasst neun Freiplätze und zwei Hallenplätze. Die Halle ist Eigentum des Vereins. Intern ist seit Herbst 2020 Ruhe in die Vorstandsarbeit eingezogen. Leider war dies mit dem Vorstand davor alles andere als harmonisch. Der damalige Vorstand unter Uschi Treutner haderte mit dem Vereinstrainer Goran Gerdijan und es gab Streitigkeiten unter den
Vorstandsmitgliedern. Dies war unter der Präsidentschaft von Rogg-Petry schon einmal so. Auch da wurde innerhalb des Vorstands gestritten und sogar der langjährige Vereinstrainer Fadil Seric aus dem Verein gedrängt. Dies gehört nun alles der Vergangenheit an.


Wie war es mit der Spielkleidung weiß? Nun, Klaus Gras kann sich noch daran erinnern, dass bei einem Turnier ein Spieler vom Platz gehen musste um sein farbiges Polo Shirt zu wechseln oder er hätte das Spiel verloren. Das war Anfang der 90iger Jahre noch so streng. Auch dies gehört der Vergangenheit an. Die Profis machen es vor. Einzige Ausnahme sind die Tennismeisterschaften von Wimbledon. Dort müssen alle in weiß spielen.


Zurück zum Tennisclub Kehl. Der jetzige Vorstand arbeitet in Ruhe und mit gesicherten Finanzen. Die vereinseigene Halle wird energetisch aktualisiert und es gibt neue Vorhänge vor der Hallenwand, zusätzlich wurde die Beleuchtung modernisiert. Gesellschaftlich wurde mit der Feier zum 100jährigen ein großer Schritt in Richtung Vereinsleben getan. Weitere Aktivitäten sollen nun folgen. Das Wir-Gefühl soll gestärkt werden und die langjährigen Tennisspieler mehr in das Vereinsleben eingebunden werden. Alles in Allem darf sich die Stadt Kehl glücklich schätzen solch einen aktiven Verein im Tennissport zu haben.


Fazit: Drei Punkte lassen sich aus dem 100jährigen Clubleben herausheben, die die Basis für einen Erfolg darstellen. Die jeweiligen Vorstandsmitglieder müssen sich vertrauen und harmonisch miteinander umgehen. Sie sind die gewählten Vertreter des Vereins und tragen vereinsinterne Verantwortung. Die Cheftrainer Fadil Seric und Goran Gerdijan des TC
Kehl sind ebenfalls von großer Bedeutung. Die Cheftrainer mit den Co Trainern bilden die Bindeglieder zwischen den Jugendlichen und den Erwachsenen und können täglich beurteilen, wo Änderungen angebracht sind. Diesen beiden Tennistrainern gebührt die höchste Hochachtung. Die dritte Säule sind die Pächter des Clubhaus mit deren Bewirtung. Der TC Kehl hat so viele Mitglieder, dass eine Selbstversorgung ausscheidet. Viele Jahre hatten die jeweiligen Vorstände immer wieder große Probleme mit der Bewirtung. Durch den Neubau des Clubhauses und den damit verbundenen direkten Zugang zur Halle hat sich die Situation verbessert. Jedoch erst mit dem Pächter Enzo Berardi kam Kontinuität und Ruhe in die Clubhausbewirtung. Das Essen im Tennisclub war für Mitglieder und Gäste ein Genuss. Diese Phase geht unter dem Pächterehepaar Barbara und Toni Gargiula nahtlos weiter, die jetzt auch einen schönen neuen Zugang zur Terrasse haben.

Fotos: Erwin Lang

Fadil Seric beim Aufschlagtraining 1992, im Hintergrund Jugendwart Klaus Gras